Konzeption für die Mobile Jugendarbeit der Stadt Ahlen

Ausgangssituation

Die Arbeit der Mobilen Jugendarbeit des Jugendamtes der Stadt Ahlen richtet sich an junge Menschen aus dem gesamten Stadtgebiet von Ahlen, die von anderen Angeboten wie Jugendeinrichtungen und Jugendhilfe nicht angesprochen oder erreicht werden. Sie treffen sich an informellen Treffpunkten im Stadtgebiet und sind dort nur durch die aufsuchende Arbeit der Mobilen Jugendarbeit erreichbar.
Die Schwerpunkte der informellen Treffs befinden sich hierbei in der Ahlender Innenstadt zwischen Nordenmauer und Südenmauer, zwischen Westenmauer und Gerichtstraße. Die Gruppen und Cliquen treffen sich dort, da die Innenstadt für sie gut erreichbar und attraktiv ist, da es viele Möglichkeiten gibt ihre Freizeit dort zu verbringen. Sie wollen sich dort in der Öffentlichkeit zeigen und auf sich aufmerksam machen. Die Jugendeinrichtungen als möglicher Treffpunkt kommen für diese Jugendlichen und jungen Erwachsenen nicht in Frage, da sie sich von den Angeboten nicht angesprochen fühlen oder für die Einrichtungen nicht tragbar sind.
Unverbindlichkeit, Spontaneität und Unabhängigkeit spielen bei diesen Gruppen eine große Rolle. Sie wollen sich nicht in feste Strukturen einbinden lassen und pochen auf Eigenständigkeit. Manche nutzen diese Treffpunkte auch zur Demonstration ihrer Stärke oder um auf ihre Lebenssituation aufmerksam zu machen.
Häufig zeichnen sich diese Jugendlichen durch Perspektivlosigkeit und Orientierungslosigkeit aus. Sie sind mit ihrer persönlichen Lebenssituation unzufrieden und sehen für sich auch keine positiven Lebensziele oder gar positive Vorbilder. Die Mehrzahl verfügt nur über sehr mäßige bzw. keine Schulabschlüsse.
Sie leben daher im Jetzt und Gleich. Suchen in der Gruppe Halt und Orientierung oder wenigstens ein bisschen Spaß und Anerkennung. Häufig einhergehend mit unreflektiertem Drogenkonsum (Legal und Illegal). Da die meisten aber keiner geregelten Arbeit nachgehen und auch nur über wenig Tagesstruktur verfügen, gehören kleine kriminelle Handlung bei Vielen zum Alltag dazu, um diesen Konsum zu finanzieren.
Selbst für die wenigen, die eine berufliche Qualifikation erworben haben, ist dies kein Garant für eine Anstellung. Der typische Lebensablauf Schule-Ausbildung-Arbeitsplatz-eigene Familie greift nicht mehr. Eine abgeschlossene Berufsausbildung ist in Ahlen keine Garantie für eine feste Arbeitsstelle.

Arbeitsansätze

Da ihr Verhalten oft den Ansprüchen oder Erwartungen Erwachsener nicht entspricht, haben diese Jugendlichen/jungen Erwachsenen oftmals negative Erfahrungen im Umgang mit sozial staatlichen Institutionen (Polizei, Ordnungsamt, Gericht, Jugendgerichtshilfe usw.), Erwachsenen, Pädagogen und SozialarbeiterInnen gemacht.
Für den Mitarbeiter der aufsuchenden Mobilen Jugendarbeit bedeutet dies den oft mühsamen Aufbau einer Vertrauensbasis zu den Cliquen und Gruppen. Er muss Vorbehalte und Ängste abbauen, sich als vertrauenswürdig erweisen, um von den jungen Menschen akzeptiert zu werden. Dabei muss der Mitarbeiter der Mobilen Jugendarbeit in seinen Aussagen und in seinem Verhalten gegenüber den Jugendlichen verbindlich auftreten.
Die Mobile Jugendarbeit sucht die Jugendlichen in deren Lebenswelten auf, was ein hohes Maß an Bereitschaft zu einem offenen und vorurteilsfreien Kontakt zu den jungen Menschen voraussetzt. Er ist Gast und muss die Regeln und Normen der Cliquen akzeptieren.
Da dieser Kontakt völlig freiwillig ist, besteht keine Möglichkeit die Mobile Jugendarbeit als ordnungspolitisches Instrument zu nutzen. Wenn seine Person von den Cliquen gewollt bzw. gewünscht ist, darf man das sensible Gefüge nicht durch Zwang zerstören. Nur so kann eine längerfristige sinnvolle Arbeitsebene zustande kommen und erhalten werden.

Ausgangspunkt für die Arbeit des Mitarbeiters der Mobilen Jugendarbeit ist die Kontaktaufnahme zu den Klienten vor Ort, auf der Straße, an ihren Treffpunkten. Behutsam und kontinuierlich wird eine Vertrauensbasis aufgebaut; gleichzeitig werden Ängste sowie Vorbehalte seitens der Jugendlichen abgebaut, um so die Grundlage für eine weitere Zusammenarbeit zu schaffen. Dabei muss der Mitarbeiter bereit sein, die Werte und Normen der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu akzeptieren und seine eigenen Moral- und Wertvorstellungen zurückzustellen. Dazu gehört auch, dass er akzeptieren muss, wenn eine Gruppe keinen Kontakt mit ihm haben will.

Sozialarbeit auf der Straße bedeutet:

- Kontaktaufnahme zu den jungen Menschen
- Vertiefung der schon bestehenden Kontakte
- Vertrauensaufbau
- Gruppenstrukturen erkennen, analysieren und mit ihnen arbeiten
- Direkte Beratung vor Ort
- Absprache von Terminen für weiterführende Hilfsangebote
- Jugendliche/junge Erwachsene über die Möglichkeiten sozial staatlicher Institutionen informieren
- Stärkung des Einzelnen in der Gruppe
- Konfliktverhalten innerhalb der Gruppe diskutieren
- Die Außenwahrnehmung der Gruppe diskutieren
- Den Jugendlichen das Gefühl zu geben, jemand ist für sie da
- Jugendliche/junge Erwachsene ernst nehmen

Mobile Jugendarbeit bedient sich dabei der klassischen Methoden der Sozialarbeit: Einzelfallhilfe, Gruppenarbeit und Gemeinwesenarbeit und berücksichtigt geschlechtsspezifische und kulturelle Aspekte in der Arbeit.

Einzelhilfe beinhaltet:

- Beratung und Betreuung von Straffälligen
- Unterstützung bei dem Erhalt von Wohnraum
- Beratung und Betreuung von psychisch Kranken
- Beratung und Betreuung bei Strafverfahren/Gerichtsverfahren
- Beratung und Betreuung von Suchtmittelabhängigen (Alkohol und Haschisch)
Suchtmittelgebrauchenden (Computer, Spielsucht usw.)
- Beratung und Betreuung bei Problemen mit Sozialhilfeleistungen
- Beratung und Betreuung bei Arbeitslosigkeit und Ausbildungsplatzsuche
- Krisenintervention
- Unterstützung bei der Stabilisierung der Lebenssituation
- Beratung und Betreuung bei Fragen zum Ausländerrecht

Der gesamte Bereich der Einzelhilfen zeichnet sich dadurch aus, dass Klienten in der Regel hohe Mehrfachbelastungen in den verschiedenen Problemfeldern mitbringen.
So bedarf es auf Seiten des Sozialarbeiters ein breites Spektrum an Fachwissen und oftmals ein großes Geschick, um in schwierigen Fällen positive Entwicklungen zu ermöglichen.
Er muss Überzeugungsarbeit leisten, damit die Betroffenen andere weitergehende Angebote annehmen.
Für diese Einzelhilfe ist die Anlaufstelle der Mobilen Jugendarbeit Ahlen in der Innenstadt eine notwendige Grundlage. Sie bietet die Möglichkeit zu vertraulichen Gesprächen die an den Treffpunkten der Gruppen und Cliquen nicht möglich sind und die Unterstützung bei Anträgen und dem Schriftverkehr mit Ämtern und anderen Einrichtungen. Auch können dort Bewerbungsunterlagen mit den jungen Menschen erstellt werden, es können die notwendigen Telefonate für und mit den jungen Menschen erledigt werden.
Sie dient bei Krisensituationen als Rückzugs- und Ruheraum für die betroffenen Jugendlichen.
Zusätzlich bietet sich hier die Möglichkeit für feste Beratungszeiten des Mitarbeiters.
Darüber hinaus bietet die Anlaufstelle die Möglichkeit zur Planung und Durchführung von Freizeitangeboten der Cliquen und Gruppen und hat trotz der Enge der Räumlichkeiten einen hohen Freizeitwert für diese jungen Menschen, da dort verschiedene Möglichkeiten für die Freizeitgestaltung vorhanden sind. Die Vertrauensbasis wird durch die Arbeit in der Einrichtung verstärkt, da die Jugendlichen und jungen Erwachsenen den Mitarbeiter noch intensiver kennenlernen können.
Daher ist die Anlaufstelle der Mobilen Jugendarbeit in der Ahlener Innenstadt für die Gruppen und Cliquen, die sich dort treffen, unverzichtbar und wesentlicher Bestandteil der Arbeit der Mobilen Jugendarbeit.

Im Rahmen der Gemeinwesenarbeit ist der Mitarbeiter der Mobilen Jugendarbeit in anwaltlicher Funktion für die Klienten tätig, um Vorurteile abzubauen und für Verständnis zu werben. Er weist auf die Notwendigkeit von Freiräumen für die Entwicklung von Jugendlichen/jungen Erwachsenen hin und setzt sich für den Erhalt der Treffpunkte im öffentlichen Raum ein.
Darüber hinaus versucht der Mitarbeiter, Mängel und Lücken im sozialen Umfeld der Cliquen aufzuzeigen und in Kooperation mit allen Jugendeinrichtungen und Trägern, sowie verschiedenen Ämtern und Behörden Lösungsmöglichkeiten herbeizuführen. Dazu beteiligt er sich an verschiedenen Arbeitskreisen und Arbeitsgemeinschaften oder versucht, diese zu initiieren.

Die Arbeitszeit des Mitarbeiters richtet sich nach den Bedürfnissen der Cliquen/Gruppen und der einzelnen Jugendlichen und ist daher flexibel zu handhaben.

Zielgruppen

Mobile Jugendarbeit ist ein sozialarbeiterisches/sozialpädagogisches Angebot für Jugendliche/junge Erwachsene (13-27 Jahre), die aus verschiedenen Gründen selten oder nicht mehr von anderen Angeboten der Jugendhilfe erreicht werden.
Das Verhalten dieser jungen Menschen ist geprägt durch Erziehungsdefizite, Gewalterfahrungen, Frustration und Ängste und zeichnet sich häufig durch Aggressionen und Suchttendenzen aus.
Im Bereich der Stadt Ahlen richtet sich das Angebot an junge Menschen, die die Straße zu ihrem Treffpunkt gemacht haben und dort den Großteil ihrer Freizeit verbringen. Dabei handelt es sich um Gruppen die verschiedene Problemlagen aufweisen wie z.B. psychische und seelische Auffälligkeiten. Auch konsumieren viele legale und illegale Drogen und unterliegen der Gefahr Suchtmittel abhängig zu werden.
Ähnlich unterschiedlich wie die Zusammensetzung der Gruppen ist ebenfalls ihre Herkunft sowie ihre momentane Lebenssituation. Sie kommen aus zerrütteten, aber auch intakten Familien.
Die Zielgruppen der Mobilen Jugendarbeit bestehen überwiegend aus Jugendlichen/jungen Erwachsenen aus Migrantenfamilien verschiedener Nationalitäten. Diese wohnen zum größten Teil in der elterlichen Wohnung. Dies führt aber zu erheblichen Problemen, da die familiären Normen nur wenig mit der Lebenswelt und dem Lebensgefühl der Jugendlichen/jungen Erwachsenen gemein haben. Diese Probleme verstärken sich noch einmal, wenn es sich um Mädchen und junge Frauen handelt.

Ihr Alltag wird bestimmt von Erfahrungen der Ausgrenzung, von Schulproblemen, mangelnder Unterstützung aus dem Elternhaus, Arbeitslosigkeit und geringen finanziellen Möglichkeiten. Dies führt sie zu einer “Freizeitgestaltung” in den Randbereichen der Legalität. Das Verhalten dieser Jugendlichen ist geprägt durch den Konflikt zwischen althergebrachten Traditionen und westlichem Konsumdenken und -handeln, kriminellen Verführungssituationen und durch Konkurrenzverhalten untereinander. Die daraus resultierenden Ängste, Rollenkonflikte und Aggressionen spiegeln sich in einer zunehmenden Gewaltbereitschaft und Suchtverhalten wieder.

Die am häufigsten auftretenden Probleme sind:

- Schwierigkeiten bei Ämtergängen (ARGE, Jugendamt, Polizei etc.)
- Probleme bei Schriftwechseln (Anträge auf Jugendhilfe bzw. ALG II, Bewerbungen, Widersprüche etc.)
- Beziehungsschwierigkeiten
- Seelische Notlagen
- Straffälligkeit
- Auseinandersetzungen mit Eltern, Lehrern und Betreuern
- Arbeitslosigkeit
- Aufenthaltsschwierigkeiten
- Psychische Erkrankungen
- Schulprobleme

Ziele

Mobile Jugendarbeit versucht den Kontakt zu Jugendlichen/jungen Erwachsenen wiederherzustellen, die von anderen Angeboten der Jugendhilfe/Jugendarbeit nicht mehr erreicht oder ausgegrenzt werden.
Weiterhin versucht Mobile Jugendarbeit, Jugendliche/jungen Erwachsene zu stabilisieren und ein weiteres Abgleiten zu verhindern. Dazu wird der Einzelne in seiner Persönlichkeit gestärkt, sein Selbstbewusstsein aufgebaut und sein Verantwortungsgefühl sowie der Erwerb von individuellen Handlungskompetenzen gefördert.
Dies ist nur möglich, wenn der Mitarbeiter den Betroffenen völlige Diskretion und Verschwiegenheit gegenüber dritten zusichert. Auch im Rahmen des Datenschutz und des Sozialdatenschutz ist eine Weitergabe von Informationen nur mit der Einverständniserklärung des Betroffenen möglich.

Ziel des Mitarbeiters ist es, durch die Schaffung von Öffentlichkeit auf die sozialen Situationen der Cliquen aufmerksam zu machen, Vorurteile abzubauen und die Akzeptanz der jeweiligen Zielgruppe in der Öffentlichkeit zu fördern.